Tiefer Verbunden - Bewegung für Emotion und Gemeinsamkeit

Viele von uns leben ein getrenntes Leben. Getrennt von unserem Inneren, von den Anderen, von der Welt leben wir in unserem Verstand. Ignorieren unsere verspannten Körper, statt den Strom der Emotion darin zu erlauben. Lauern einsam hinter Masken leben und offenbaren nicht mal uns selbst oder den uns nahen Menschen, mit welchen Schrecken, Ängsten, Scham und emotionalen Abgründen wir in Körper und Seele zu tun haben. Aus Panik, davon überwältigt zu werden und zu verschwinden, die letzte Sicherheit aufzugeben, mutterseelenallein zu sein und nicht mehr dazugehören zu dürfen. Wir ersticken die Rufe unserer unerfüllten Bedürfnisse nach Geborgenheit, Akzeptanz und Halt genau wie unsere mitfühlende Lebensmotivation und wilde Kraft, weil sie uns in der Kindheit furchtbare Qualen bereitet hatten.. Wir bleiben in vertrauter Kleinheit und Taubheit, spielen unsere Rolle und behandeln uns Selbst wie wertlos, würgen unsere Emotionen ab und geben die Verantwortung für unser Glück aus der Hand. Unsere Beziehungen zu Menschen und der Welt bleiben flach und aufgesetzt und wir ernähren uns von dem, was übrig bleibt und manipulieren und konsumieren, um den Hunger nach Verbundenheit zu stillen. 



Trennung ist allgegenwärtig

Unsere Zeit, die kollektiven und gesellschaftlichen, globalen Umstände erzeugen für viele Menschen einen belastenden Zustand der Trennung in vielen Lebensbereichen, offensichtlich bis subtil. 

Trennung von unseren Körpern, Emotionen, Lebenskraft

Viele leben hinter einer Maske und in einer Konstruktion von sich selbst, die sich sich im Lauf des Lebens ausgedacht haben und sich weitgehend auch selbst glauben. Sie investieren viel Energie, ein Bild von sich aufrecht zu erhalten, Teile von sich zu verstecken, zu funktionieren und sich von ihrer vermeintlich besten Seite zu zeigen und haben ihre Emotionen in einem gewissen Maß verdrängt, weil sie die für unerträglich oder bedrohlich halten, wenn sie ihre Identität in Frage stellen.

Trennung von anderen Menschen

Selbst in den engsten Beziehungen fehlt Vielen von uns sättigende Nähe und Geborgenheit. Die Erfahrung, dass wir gesehen und angenommen werden, so wie es uns wirklich im Innersten geht und dazugehören dürfen. Mit all unserer Verletzlichkeit, unserem Scheitern, unseren Befürchtungen, Dämonen und Abgründen, unserer Scham und unseren wahren Bedürfnissen. Mit Trauer, Wut, Schmerz und Hilflosigkeit. Mit den verschwiegenen Schrecken schlimmer Kindheitserfahrungen. Und mit unserer Liebe und Zärtlichkeit für die Welt und unseren innersten Werten. (Wenn das alles jemand wüsste!) 

Trennung von Sinn in dem, was wir tun

Viele leiden unter schmerzlichem Mangel an Tätigkeiten, die ihre Seele mit Sinn, Freude und Bedeutung füllen würde, weil der Zweck mit ihren innersten Werten übereinstimmt. Stattdessen tun viele etwas, das sie tatsächlich für sinnlos halten aus Gründen, die nicht ihre sind.

All das ist Trennung von Emotion

Die Emotionen in unserem Körper sind die blanke Lebenskraft und energetische Führung in unserem Leben. Botschaft der Seele, was wir brauchen, wollen und was nicht. Sind wir davon abgeschnitten, leben wir nur aus dem Verstand herau und irren durch die Welt. 

Das ist das Wesen der Depression. Die Unterdrückung der Emotionen verlagert die wahren Bedürfnisse, Schmerz und psychischen Konflikte in Sucht, Neurosen, Manipulation und Agression gegen sich und Andere und die gierige Ausbeutung von Natur und Menschen, um den Mangel irgendwie zu stillen und die Kontrolle zu behalten. Blenden wir unsere unangenehmen Wahrheiten aus, statt sie zu integrieren, hungern wir weiter im Smalltalk unserer flachen Beziehungen als Schauspieler und sind zu Spiralen von Manipulation, Unterwerfung oder Dominanz verdammt. Besonders für die gesunde Entwicklung unserer Kinder ist es sehr wichtig, dass wir Verantwortung für unser Innerstes übernehmen und sie durch unsere Selbstfürsorge entlasten.  

Woher kommt das?

Es gibt zwei zentrale Umstände, die diese Trennung bewirken. Trauma als zerstörerische und kollektive fragmentierende Einwirkung auf die gesamte Menschheit und die isolierende und entfremdende Kraft des Kapitalismus.

Trauma

In der Phase von Schwangerschaft bis früher Kindheit haben wir uns an die unbewussten und die ausgesprochenen Forderungen unserer Eltern und der Gesellschaft angepasst und die unerlösten Schrecken der Generationen vor uns übernommen, Dazu kommen massive Schocks und Entbehrungen an Geborgenheit und Einfühlung, von denen wir glaubten, daran sterben zu müssen und unsere Emotionen und unsere Lebensenergie abspalteten und tief in Körper und Seele vergruben, um überleben und dazugehören zu können. Wir mussten unbewusste Urteile über uns, die Menschen und das Leben fällen, die uns in innere Käfige sperrten. 

Unsere versteckten Glaubenssätze sind meist Variationen davon, dass wir Selbst und unsere Lebensenergie bedrohlich, inakzeptabel und falsch und wir der Liebe und Glück nicht wert seien. Viele schämen sich ihrer selbst und  halten diese Welt und die Menschen darin für feindlich und gefährlich. 

Unsere Körper transportieren die eingefrorenen Emotionen, gruseligen Erfahrungen und Schmerz, unsere unerlebten Erlebnisse. Wir blieben im Zustand von Flucht, Kampf oder Kollaps stecken, haben unsere wahren Bedürfnisse, tiefen Lebensmotivationen ins Unbewusste verschoben und nehmen Körper und Seele, also unsere Emotionen nicht mehr gut wahr. 

 

Wir haben ein (v)erträgliches Selbstbild erschaffen, das  unser Überleben und unsere Zugehörigkeit sichern soll und fahren ständig Strategien, um den Horror in uns zu umschiffen. Dafür müssen wir unsere eigenen Schatten auf die Umwelt projizieren, Andere manipulieren, unsere Stories zu bestötigen, und das, was wir brauchen, erschleichen. Wir leben nicht unser eigenes Leben und  können uns tragischer Weise weder von Andern noch uns Selbst wirklich angenommen fühlen und bleiben rastlos.

Kapitalismus und Zivilisation

Unsere kapitalistisch dominierte Kultur lebt von Trauma-Energie und bekräftigt, dass wir uns in Konkurrenz zueinander befinden und dass wir uns für ungenügend halten, so wie wir sind. Sie verspricht uns Heil, Zugehörigkeit und Ankommen, wenn wir nur besser funktionieren und konsumieren. Sie versetzt uns in Angst, aus der Zugehörigkeit zu fallen und droht uns, dass nur unser falsches Lächeln, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Geld als Werte zählen und uns Anerkennung bringen und setzt uns absurde Ideale vor, denen wir bis zur Erschöpfung hinterherhetzen.

Das füttert die Spannung von Angst und Mißtrauen  zwischen uns und die steinerne Last von Scham über unseren brodelnden Emotionen wird schwerer. Dafür, so zu sein, wie wir insgeheim wirklich sind. Wie verstoßene Kinder fristen unsere wahren Gefühle, Kräfte und innersten Werte ein stummes Dasein in den Kellern unserer vereinzelten Wohneinheiten. Und wir lassen uns für die Taubheit unserer Seele mit einem Haufen materiellem und medialem Plunder, anstrengendem Smalltalk und verlogener Akzeptanz abspeisen. 

 

Wie können wir das ändern?

Es geht darum, unsere Emotionen wieder in unsere Körper und in die Mitte in unseren Beziehungen einzuladen. Die Scham und Illusion zu durchbrechen, wir seien defekt und die einzigen, die mit Panik, Selbsthass, Hilflosigkeit, Schrecken, Wut, Trauer, Schuld und dämonischen Anteilen, Verurteilungen und Manipulationen zu tun hätten.

Schattenarbeit und Verkörperung

Wenn wir noch nicht viel an uns gearbeitet haben, liegen viele Anteile im Dunkel des Unbewussten, viele Emotionen unter Muskelspannung im Körper eingekapselt. Das innere Kind ist eine populäre Metapher für unsere verbuddelten Emotionen und Glaubenssätze. Ein guter Weg, unsere Lebendigkeit wiederzufinden, ist Körperarbeit, mit Bewegung, Atmung und Stimme - so können wir unsere Erstarrungen aufbrechen und die Energie in uns wieder in Bewegung bringen. Wir kommen uns Selbst mehr auf die Spur, indem wir unsere Wahrnehmung schulen; unsere Gedanken, Empfindungen und Emotionen in Hirn, Körper und Seele genau und ohne Wertung zu erkennen. Das ist wie Archäologie und Detektivarbeit. Worauf reagieren wir auf welche Weise und was ist die Wurzel davon? 

Gerade in unseren Beziehungen zu (besonders den nahen) Menschen können wir da reich ernten, denn die meisten unserer Schrecken kommen schließlich aus Erfahrung mit Menschen! So stoßen wir zunächst auf unsere abwehrenden Gefühle, auf die Urteile und Glaubenssätze dahinter, sehen die Strategien und Muster, mit denen wir unser Inneres vermeiden und die Umwelt kontrollieren und stoßen schließlich auf die tiefen Emotionen dahinter, unseren Schmerz, unsere wahren Bedürfnisse, Motive und Potentiale.  Gerade die Situationen, in denen wir normalerweise wie automatisch reagieren, nur noch flüchten, auf Leben und Tod kämpfen oder zusammenbrechen wollen, sind toller Rohstoff!

Das erfordert die Bereitschaft, unser sauberes Bild von uns Selbst und unsere Gedankenwelten immer öfter in Frage zu stellen. Das Risiko, die Sicherheit unserer Identität, die Kontrolle und die Sicherheit des Vertrauten Stück für Stück aufzugeben. Uns zu öffnen für sehr unangenehme und überwältigend schöne Überraschungen, für Berührbarkeit und wilde Lebendigkeit.

Erst, wenn wir unsere Verletzlichkeit wieder zulassen, können wir uns wirklich mit der Welt und Anderen verbinden, ankommen, uns entfalten und reifen!

Dabei brauchen wir unsere eigene volle Aufmerksamkeit, um die eingefrorenen Emotionen zu erlösen. Und wir brauchen immer wieder Freunde, die uns dort mit ihrer Wahrnehmung unterstützen, wo wir Scheuklappen haben, die unsere Hand halten wenn wir es nicht allein aushalten. Wenn wir uns einander in kleinen Schritten mutig mehr zeigen, wer wir wirklich sind - trotz Angst, dann entmachten wir die Scham und erschließen uns ein warmes und echtes Leben, Entspannung und Intimität mit uns selbst, Freunden und Partnern, die uns satt und glücklich macht und die Kräfte, Geschenke und das Mitgefühl, das Gott in uns angelegt hat.